1000 mal Naumburg an der Saale

Leitartikel

Veröffentlicht am

Jeder macht seins…

Von

Ralph Steinmeyer

Mit Freude habe ich ja in der Vergangenheit berichtet, dass es in Naumburg ein überaus lebhaftes Kulturangebot gibt und im Jahr mehr als 1000 Veranstaltungen in der kleinen Mittelstadt auf dem Programm stehen. Nur, wie groß ist die mögliche Zielgruppe für eine Lesung oder Ausstellung? Beim Eintragen der täglichen Termine fällt mir dann auf, dass es Tage gibt, an denen sich gleichartige Veranstaltungen ballen. Freitag der 25. April ist so ein Tag. Gleich drei Vernissagen überbieten sich und werben für Zuspruch, sprich Besucher – siehe Auszug.

Immerhin überlagern sich die Termine nicht, aber ich kann mir schlecht vorstellen, dass die doch recht überschaubare Gemeinde der Kunstaffinen alle drei Ausstellungen besuchen wird, zudem am Vortage schon ein Künstlergespräch im Kunstverein auf dem Programm steht. Anfang des Monats gab es schon einmal eine Überlagerung bei den Vorträgen, da waren es auch gleich drei Vorträge am selben Abend. Wahrscheinlich hat dann der den Joker, der den besseren Standort hat. Wer vermutet schon einen Vortrag des Goethegesellschaft im Jugendzentrum Otto.

Nun gab es in Naumburg noch nie eine Vernetzung, was kulturelle Angebote anging. Ich erinnere mich vor gut zwanzig Jahren, als Jürgen Perl und ich den Mittwoch als Veranstaltungstag im 11. Gebot einführten. Ein befreundeter Jazzmusiker startete im Alt-Naumburg eine Jazzsession, nicht wissend, dass es parallel ein ähnlich gestricktes Format gab. Das Zille reklamierte dann den Mittwoch für sich und legte Ausstellungseröffnungen parallel zum 11. Gebot, um nicht zu sehr in Konkurrenz zu gehen. Nur sind mittlerweile alle Ausstellungseröffnungen „getarnte“ Konzerte. Seit dem das Theater in neuen Domizil ist, hat Intendant Stefan Neugebauer den Mittwoch ebenfalls für teilweise musikalische Formate entdeckt. Das merkt das Zille, dessen Konzerte immer ausgebucht sind und mittlerweile überregional beachtet werden, bislang nicht. Ob noch nicht, wird sich zeigen.

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Es stellt sich die Frage, wann der Punkt erreicht ist, dass das Angebot größer als die Nachfrage ist. Das wollen wir erst einmal sehen. Wenn man aber in Richtung 1000 Jahrfeier Publikum aus den Nachbarstädten in die Dom- & Kulturstadt Naumburg ziehen will, ist das erst einmal ein positiver Zustand. Und trotzt auch der gemeinen Aussage der eingeborenen Naumburger „hier wäre ja nichts los“, weshalb man sich wie jedes Wochenende in die heimische Gartenanlage verkriecht. Aber es muss langsam auch eine Werbestrategie gefunden werden, wie man Kulturgänger aus „Naumburgs Speckgürtel“ (Halle, Leipzig, Jena) zu hiesigen Veranstaltungen lockt. Aber es bedarf, so meine ich, auch etwas mehr Vernetzung, damit nicht an einem Sonntag auf dem Markt bei der Kulturbude ein Konzert und gleich hinter dem Rathaus, ebenfalls draußen, „der Engel“ musiziert. Aber in einer Stadt, wo Gastronomen nur selten die Kollegen beehren, Musiker nur selten bei Konzerten der anderen Bands zu finden sind (es gibt Ausnahmen), da darf man solch eine Sensibilität nicht erwarten. Muss man aber!

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