Naumburgs Litfaßsäulen sind etwas Besonderes und die 25 Säulen gehören zum Stadtbild dazu. Als der Berliner Drucker Ernst Litfaß vor gut 170 Jahren den Auftrag bekam, „Säulen zur geordneten Plakatierung“ aufzustellen, um den Wildplakatierungen ein Ende zu setzen, wusste er seinen vier Jahre älteren Bruder Franz in Naumburg, der ebenfalls als Drucker tätig war. Siehe dazu auf naumburg2028.de in der Rubrik „1000 Geschichten“ den von Gerd Henschel geschriebenen Artikel „Die Annonciersäulen des Ernst Litfaß“. Es ist zu vermuten, dass nach den ersten in Berlin damals auch schon in Naumburg weitere Litfaßsäulen aufgestellt wurden.
Bis zu Coronazeiten waren die Säulen nicht Gegenstand der Diskussion, sie wurden mal mehr mal weniger regelmäßig beklebt. Werbeabonnenten waren hauptsächlich die städtischen und überregionalen Kulturanbieter finanziert aus öffentlicher Hand. Aber als Günter Manger, der Jahre lang für die wöchentlichen Plakatierungen zuständig war, Ende 2023 in Rente ging, gab es zum ersten Mal einen Kahlschlag auf den Säulen.
Seitens der Stadt wurde schon da der bauliche Zustand vieler Säulen bemängelt, aber man fand in einer Weißenfelser Werbefirma jemanden, der dann bei recht schlechter Auftragslage und manchmal auch dilettantischer Ausführung die Säulen bis Ende letzten Jahres betreute. Der Vertrag war von der Stadt auch nur bis Ende 2025 terminiert gewesen.
Im Moment sind alle in der Stadt befindlichen Säulen wieder kahl und von jeglichen Plakaten befreit worden. Bevor über eine weitere Verwendung bzw. Nutzung entschieden wird, lässt die Stadtverwaltung durch Statiker den baulichen Zustand überprüfen. Bevor der nächste Schritt folgt, will man sicher gehen, dass die bauliche Substanz und vor allem verborgene Sicherheitsmängel bekannt sind.

Dass die Litfaßsäulen zur Naumburger Geschichte gehören und somit auch zur 1000 Jahrfeier der Domstadt einen wichtigen Part spielen können, ist sowohl der Stadt wie auch vielen Ehrenämtlern bewusst. Vor zwei Jahren hat der Naumburger Bürgerverein bei der Stadtverwaltung angemeldet, dass er eine der Säulen mit Informationen zum Stadtjubiläum und damit verbundenen Initiativen aus der Bürgerschaft bespielen möchte.

Und auch der Rotary Club Naumburg ist im Gespräch mit der Stadt und würde nach der Prüfung mit Spendengeldern die Säulen, eine nach der anderen restaurieren lassen. Dass die Litfaßsäulen in Zukunft nicht mehr ausschließlich mit einzelnen Plakaten beklebt werden, dürfte dabei klar sein. Als Werbemedium ist die „Annonciersäule“ von Google, Facebook & Co abgelöst worden. Aber sie ist und bleibt die „Grande Dame“ der Werbegeschichte, und wird eine Zukunft als Denkmal geschütztes Kulturgut haben. Und jeder öffentliche Platz kleidet sich gut mit ihr. Doch wie könnte eine zukünftige Nutzung aussehen?
Mühlhausen zum Beispiel hat im vergangenen „5000 Jahre Bauernkrieg“ Jahr die Säulen großflächig für Stadtwerbung genutzt. Und auch Naumburg hat in den vergangenen Tagen die Säule auf dem Markt mit einer einzigen Hülle ummantelt: Von Falko Matte gestaltet und vom Stadtmarketing beauftragt, hat der Bauhof Mitte Februar solch eine großflächige Werbung mit den Terminen für die vielfältigen Märkte in der Stadt auf der Säule Nr.1 (Standort Markt) angebracht. Das hat ein zeitgemäßes und aufgeräumtes Design, ist von weitem sichtbar und Dank der mittlerweile kostengünstigen Drucke von großflächigen Planen, ein praktikables und leicht finanzierbares Unternehmen.
Hätten Sie gedacht, dass der Umfang solch einer Säule gut drei Meter beträgt? Um solch eine große Plane zu verkleben ist sicherlich etwas Fingerspitzengefühl notwendig. Aber das Resultat überzeugt, und ich bin mir sicher, es wird auf positive Resonanz aus der Bürgerschaft stoßen. Denkbar wäre, einen Teil der Säulen, z. B. im Sommer, wenn 500 Jahre Kirschfest gefeiert wird, ähnlich wie in Mühlhausen mit einem Motiv zu bekleben. Oder aber auch eine Kombination aus großflächiger Plane quasi als gestalteter Rahmen und kleineren zeitlich wechselnden Plakate.

Auf jeden Fall gibt es neben dem kulturhistorischen Wert eine weitere zeitgemäße Nutzung als Werbeträger. Und ich bin mir sicher, dass digitale Möglichkeiten in Form von Projektionen oder auch Kunstinstallationen gerade zur 1000 Jahrfeier die Litfaßsäulen in neuem Licht erstrahlen lassen werden. Hoffen wir, dass der bauliche Zustand diesen Plänen keinen Strich durch die Rechnung macht.





