1000 mal Naumburg an der Saale

Feuilleton

„Der rote Stuhl in der Kunst“ und andere Ausstellungen im Jubiläumsjahr

Von

Ralph Steinmeyer

Auch aus der Bürgerschaft gibt es konkrete Vorhaben zum Veranstaltungsplan 2028, vor allem im Ausstellungsbereich. Ob 1000 Fassaden, 1000 Türen, 1000times Naumburg, nicht nur die parallel laufenden Instagram Formate drängen auf analog begehbare Erlebniswelten.

Nun auch die Ausstellung „Der rote Stuhl in der Kunst“, wo der Naumburger Bürgerverein die Materialiensammlung und Konzeption für geschlossen meldete, nur der Ausstellungsort, wahrscheinlich ein leeres Ladenlokal auf der Magistrale, fehlt noch. Was mit der „Immer ein Platz frei“ Marketingaktion der roten Stühle begann, nimmt nun ganz andere Formen an. War die Wahl der Farbe rot für die Stühle wie in der Stadt Bern, wo ähnliche Aktionen laufen, in den Stadtfarben begründet, zeigt sich nun ein weiterer Aspekt. Ob Van Gogh, Picasso, Matisse oder Schmidt-Rottluff, alle haben rote Stühle in ihren Bildern gemalt, teilweise sogar mehrmals. Und man kann umgekehrt fragen, welcher berühmte Künstler hat sie nicht gemalt. 100 Bilder auch aus dem Bereich des Designs und Kunstaktionen werden (aus urheberechtlichen Gründen nur) als 20x20cm Tafeln in der Ausstellung im Frühjahr 2028 beispielhaft gezeigt werden. Als große Leihgaben werden Bilder regionaler Künstler wie Michael R. Dyroff zu sehen sein und jeder Künstler ist eingeladen in den verbleibenden 1 1/4 Jahren noch ein Gemälde beizusteuern. Eine Leihgabe eines berühmten Malers wäre natürlich die Krönung der Ausstellung.

Der rot-blaue Stuhl im Stile Mondrians des Holländers Gerrit Rietfeld wird hoffentlich eins der Objekte der Ausstellung sein, thematisiert sich die Ausstellung ausgehend von der radikalen Abstraktion und Raumtheorie über die Macht und Wirkung der Farbe Rot hin zur Pop Kultur und Street Art. Urbane Gemeinschaft wie in dem Naumburger Projekt „Immer ein Platz frei“ oder in Köln „1000 Bäume 1000 Stühle“ stehen für den Dialog regionaler   Identität und moderner Kunstgeschichte. Und ab kommenden Jahr werden die roten Stühle Plätze und Feste wöchentlich beleben, durch Menschen die auf den bereit gestellten Stühlen miteinander ins Gespräch kommen.

Eine anderes Ausstellungsprojekt, benannt „Kunst in der Ille“ wird schon in genau einem Jahr mit der phantasievollen „Paperart“ der in Naumburg gut bekannten Künstlerin Philine Görnandt in einem Straßenbahnanhänger der Naumburger Straßenbahn realisiert werden. An drei Abenden wird die Straßenbahn mit der illuminierten Ausstellung im angehängten Waggon ihre abendlichen „Runden“ drehen und am Salztor, Curt-Becker-Platz wie am Bahnhof jeweils für eine halbe Stunde für Neugierige und vor allem Fotografen Rast machen. Wie die „1000 Utas“ auf dem Markt im August nächsten Jahres ist hier eine weitere Möglichkeit gegeben, mit ikonischen Fotos überregional im Vorfeld des Stadtjubiläums zu werben.

 

Auch der Kunstverein um Norbert Kottmann plant mehrere Ausstellungen 2028, eine davon mit der Aachener Künstlerin Vera Souz in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Domstiftern. Betitelt „Ikonen des Möglichen“ wurden die technischen Bedingungen im Kreuzgang des Domes schon geschaffen und die Realisierung der Ausstellung auf den Weg gebracht. Ad van de Kouwe hat ja schon drei von fünf Teilausstellungen mit seinen „1000 Naumburger Fassaden“ in der Kunsthalle auf dem Steinweg gezeigt, die vierte wird zum Kirschfest 2027 stattfinden. Auch für die 1000 Fassaden in einer Ausstellung ein weiteres Jahr später laufen schon konkrete Absprachen, wo ich aber nicht vorgreifen möchte. Ob die „1000 Naumburger Türen“ von Norma Henkel als Fotoausstellung in einem geeigneten Raum oder als Diashow auf einem Flachbildschirm in einem Schaufenster realisiert werden, wird erst im Laufe des kommenden Jahres entschieden. Die 1000times Naumburg, bislang 815 Fotos über Naumburger Orte und Menschen, wird als Fotoausstellung stattfinden, sucht aber ebenfalls noch den passenden Ort.

Ein paar der „1000 Naumburger Türen“ von Norma Henkel

Dass ohne Geld und nur durch finanzielle Aufwendungen aus der Bürgerschaft solche niederschwelligen Kunstaktionen möglich gemacht werden, da bin ich mir sicher und in Anbetracht der klammen städtischen Kassen beruhigt, dass das Stadtfest einige kleinformatige Juwelen bieten wird. Wer eine der Ausstellungen unterstützen möchte, kann das mit eine Spende an den Naumburger Bürgerverein (DE66800530003012012000) unter Nennung der betreffenden Ausstellung (Spendenquittung ab 200.-€ möglich).

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