Eine erfolgreiche Sache führt leicht zu einer weiteren Transformation oder zu einem Synergismus, einer Zusammenarbeit auf anderer (höherer) Stufe. So auch die „Immer ein Platz frei“ Aktion mit den roten Stühlen. Sie tauchen oftmals in Bildern berühmter Künstler auf, vor allem zeitgenössischer Maler. Wer dies einmal googelt wird überrascht sein. Aber auch bei einem regionalen Künstler habe ich den roten Stuhl entdeckt, so bei Michael R. Dyroff und seinem Bild, das über der Bühne des Café Zille hängt.
Die Willi Sitte Galerie in Merseburg wird ab kommenden Samstag, also dem 11. Juli 2026 eine Personalausstellung mit gut 45 Arbeiten von Michael R. Dyroff zeigen. Neben Zeichnungen und Landschaftsbilden auch zwanzig so genannte Vierseitenbilder, wie er seine neuesten Schöpfungen nennt. Selten sind diese gegenständlich, aber wenn doch, so folgt die gesamte Wahrnehmung den vier Seiten des Objektes. Das Bild ist vier geteilt und will durch diese Betrachtungen die innere Kraft der Wahrnehmung in allen Schattierungen verstärken, weder realistisch, noch abstrakt, sondern strebt eine moderne Bildsprache für unsere Zeit an. Was etwas gestelzt formuliert ist, lässt sich mit den Augen des Betrachters hingegen schnell erfassen. Und zur Überraschung des Künstlers: Dreht man seine Bilder, erkennt man einen neuen Zusammenhang, ob beabsichtigt, oder durch die eigene Wahrnehmung hervor gerufen. Die Vernissage beginnt um 15.00 Uhr in der Domstraße 15, musikalisch umrandet von der Naumburger Band „Wahlverwandt“.
Aber zurück zu den Bildern mit den roten Stühlen, die übrigens nicht in Merseburg zu sehen sind. In Anlehnung an die monumentalen Werke von Henri Matisse, „Musik“ und „Tanz“ hat Michael ein Triptychon geschaffen, dass die Menschen in den Bildern von Matisse durch rote Stühle ersetzt, die mal tanzen, mal musizieren. Er teilt seinen Spaß an den Dingen und Zitaten und stellt das Motto „Immer ein Platz frei“ in den Vordergrund. Und in der Tat laden die roten Stühle ja auch bei Stadtteilfesten und Kulturveranstaltungen ein, sich im Raum neu zu positionieren. Bei der Peter Pauls Messe Ende Juni haben die „Naumburger Straßenmusiker“ auf eben diesen Stühlen in der Jakobsstraße gesessen und ihre Volkslieder zum besten gegeben. Die roten Stühle wurden zu ihrer Bühne.
Zusammen gehalten werden die beiden Bilder der tanzenden wie singenden Stühle von dem „Turm der roten Stühle“. Hier wird der regionale Bezug durch die vier Türme des Naumburger Doms hergestellt. Der Sitz im Leben sowohl des Künstlers, seiner Bilder wie auch die Aktion der roten Stühle ist seine Heimatstadt. Somit hat er den ersten Grundstein gelegt für etwas, was für 2028 geplant ist: Eine Ausstellung „Der rote Stuhl in der Kunst“, nicht nur in der Kunstgeschichte, sondern gerade in Bezug auf Naumburg. Vor allem die regionalen Künstler sind angefragt ihre Sichtweise des Mottos „Immer ein Platz frei“ mit roten Stühlen malerisch wie zeichnerisch umzusetzen. Die Ausstellung wird im Jubiläumsjahr den gesamten Sommer in einem leerstehenden Ladenlokal zu sehen sein. Zur Didaktik der Ausstellung im nächsten Jahr der Vorbereitung mehr…