Feuilleton

Max Klinger, Karl May und die 1000 Jahrfeier. Zusammen mit Reinhard Gusky

Von

Ralph Steinmeyer

Der ehemalige Leiter der von Max Klinger mit gegründeten Villa Romana in Florenz, Commendatore Joachim ‘Himi’ Burmeister erzählte mir damals die Geschichte, dass ein Naumburger stundenlang im Auto vor der Villa gewartet hatte und erst auf Ansprache sich traute, in das ehrwürdige Gebäude zu kommen, wo seit Klingers Zeiten junge und unbekannte Künstler als Stipendiaten zeitweise lebten. Dieser Naumburger war Reinhard Gusky nebst Gattin. Er war 1955 als Kind nach Naumburg gekommen und 1981 nach Jahren der Staatsrepression in den Westen nach Bochum übergesiedelt. 1997 am Rande eines Klingers Symposium in Großjena, dass besagter Leiter ‘Himi‘ Burmeister aus Florenz und ich ausgerichtet hatten, lernten wir uns kennen. Die Klinger Medaille, die Reinhard Gusky mir damals bei den Feierlichkeiten im Gutshaus von Maria Dietl schenkte, halte ich immer noch in Ehren.

Reinhard Gusky zog erst später im Rentenalter aus Bochum nach Naumburg zurück. Im Gespräch erzählt er, dass er seine Frau gefragt hätte, wollen wir jedes Jahr in die Toskana reisen oder lieber ein Haus in Naumburg für die Familie erwerben, die Entscheidung fiel einstimmig auf Naumburg. Sein ganzes Leben war er wie viele andere Naumburger, die lange Zeit in der Ferne leben, der Domstadt verbunden. Und so sammelte er nicht nur Postkarten und andere Erinnerungsstücke zu seinen Naumburger Themen, vor allem zu Klinger. Aber auch zu Karl May. Der jährlich stattfindende Karl-May Kongress ist dabei ein wichtiges Ereignis in seinem Leben. 2017 schaffte er es, den Kongress nach Naumburg zu holen. Das war nicht so einfach zu realisieren, erzählt er im Gespräch, Naumburg hat für größere Zusammenkünfte nach wie vor nicht ein geeignetes Kongress-Zentrum, passende Räumlichkeiten fehlen hier im Gegensatz zu Weißenfels und Zeitz.

Im vergangenen Oktober trafen sich die Karl May Forscher in Dortmund in der ehemaligen Zeche Zollern, die ein wunderbarer Ort für solche Veranstaltungen ist. Begeistert war Reinhard dort über eine Personal-Ausstellung zu Sascha Schneider, der sowohl ein Freund Max Klingers wie von Karl May war. Und dann veröffentlicht Reinhard auch Bücher über seine Heimat. Sein Band „Naumburg – Einst und Jetzt“ wird Ende Februar im Sutton Verlag in 1200er Auflage erscheinen. Darüber wird hier noch berichtet werden.

Eine Postkarte mit Naumburg Motiv aus dem 17. Jahrhundert wirbt für die 1000 Jahrfeier

Die 1000 Jahrfeier bewegt ihn schon seit geraumer Zeit und er ist ebenfalls im Vorbereitungsmodus. Ob T-Shirt, Mütze oder Postkarte mit Naumburg Motiv, er hat sein eigenes Merchandise Programm mit dem er auf das anstehende Jubiläum zu jedem Anlass wirbt. Mit dem Wethauer Hartmut Friedland, der Bürgermeister von 13 Gemeinden ist, aber darüber hinaus seit Jahrzehnten Postkarten sammelt, bildet er die Gruppe zu dem Format 1000 Postkarten. Da würde man sich über gleich Gesinnte sehr freuen. Ob es zur 1000 Jahrfeier ein Buch mit 1000 Naumburger Postkarten geben wird, wie Hartmut Friedland es sich wünscht, das hängt von der Finanzierbarkeit ab, meint Reinhard. Aber auf jeden Fall sollte es eine Ausstellung mit den schönsten Postkarten mit Naumburg Motiven geben. Am besten in Übergröße reproduziert. Schön wäre, so meint er abschließend im Gespräch, wenn diese Ausstellung in die Planung des Naumburger Museums passen würde.

Mütze mit Werbung zur Tausendjahrfeier von Reinhard Gusky heraus gegeben

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